Die Epiphanienorgel
Die Epiphanienorgel ist nicht nur ein Musikinstrument sondern auch ein Denkmal ihrer Zeit.
Entworfen wurde sie von Herbert Schulze und Dr. Karl Theodor Kühn, die von der Orgelbewegung des 20. Jahrhunderts geprägt waren. Dennoch geht das Instrument durch die eigenwilligen Gestaltungsprinzipien von Schulze und Kühn über die Orgelbewegung hinaus und hat dadurch seine besondere Bedeutung gewonnen.
Unsere Orgel ist das größte noch existierende und das letzte von Schulze und Kühn entworfene Instrument und nimmt aufgrund ihrer sehr speziellen Konzeption in der Berliner Orgellandschaft einen besonderen Platz ein.
Zu den Besonderheiten der Epiphanienorgel zählen
a) die direkte Windführung: jede Pfeife steht direkt auf der Windlade, das ermöglicht eine unmittelbare Pfeifenansprache.
b) die Verwendung zahlreicher, ausgefallener Aliquoten: Die in der Epiphanienorgel verwendeten Aliquoten, z.B. None 8/9' und 16/22'+16/27' sind außergewöhnlich und ermöglichen besondere Klangfärbungen.
c) die Schwellbarkeit aller vier Werke: Indem alle vier Werke schwellbar sind, lassen sich besondere Nuancierungen des Klangs erzielen.
d) Die Stellung der Schweller kann gespeichert werden: In der Epiphanienorgel wird in der elektronischen Setzeranlage die Stellung jeder Schwelltüre gespeichert, eine enorme Spielhilfe für die Spieler.
Sanierungsbedarf nach 30 Jahren
Seit dem Jahr 1995 steht die Epiphanienorgel in ihrer jetzigen Gestalt hoch oben auf der Orgelempore. Sie bereichert nicht nur unsere Gottesdienste sondern ist ein wichtiges Konzertinstrument, auf dem sich besonders moderne Musik ausgezeichnet spielen lässt.
Diese dreißig Jahre sind an der Orgel nicht spurlos vorübergegangen. Die veraltete Elektronik ist teilweise defekt und die Verschmutzung erfordert eine Generalreinigung, bei der die gesamte Orgel in ihre Einzelteile zerlegt, gereinigt und wieder zusammengebaut werden muss.
Die Gemeinde hat die wichtige Aufgabe, dieses wertvolle Instrument instand zu halten und muss jetzt eine Generalrevision in Auftrag geben. Die Schätzung einer Orgelbaufirma sieht allein für die Reinigung der Orgel 100.000 € vor, weitere 30.000 € werden für die Erneuerung der Elektronik benötigt, die die Registertraktur, die Setzeranlage und die vier Schwellwerke steuert.
Helfen Sie mit Ihrer Spende, dieses einzigartige Instrument zu erhalten.
Überweisen Sie Ihre Spenden bitte auf das folgende Konto:
Empfänger: Kirchenkreisverband Berlin Mitte-West
IBAN: DE 66 1005 0000 0191 2165 18
Verwendungszweck:
Orgel, Name + Anschrift
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Wir bedanken uns bei Ihnen für die wertvolle Unterstützung bei dieser Aufgabe.
Epiphanienorgel (2011)
Stimmen zur Epiphanien-Orgel
Prof. Heinz Wunderlich: für die zukünftige Entwicklung des Orgelbaues von Bedeutung
[...] hat das Instrument in der Epiphanienkirche einen ganz besonderen Eindruck auf mich gemacht. Mit der sauberen handwerklichen Arbeit, wie der klanglichen Qualität, steht die Firma Mitteldeutscher Orgelbau A. Voigt in der Reihe international renommierter Orgelbauer. Faszinierend ist die Klarheit und Durchhörbarkeit aller Stimmen im polyphonen Spiel. Durch den Einbau von computergesteuerten Schwelltüren in allen Werken, lässt sich die Balance zwischen den Manualen und Pedal auf eine bisher noch bei keiner Orgel erreichten Vollendung herstellen. Beeindruckend ist die Farbigkeit und der singende Klang: Mensurierung und Intonation zeugen von großem Können. Auf der Epiphanien-Orgel gibt es für die Gestaltung aller Stilepochen keine Probleme. Dieses Instrument wird für die zukünftige Entwicklung des Orgelbaues von Bedeutung sein, [...].
Erich Piasetzki: Zur Vollendung gebrachte Vision von Schulze/Kühn
Am 6. Oktober 2002 konnte ich anlässlich meines Orgelkonzertes in der Epiphanienkirche in Berlin-Charlottenburg den vielfach umstrittenen und zum seit einigen Jahren vollendeten Orgelneubau dieser Gemeinde näher kennenzulernen. Selbst für einen durch viele hervorragende Instrumente verwöhnten Konzertorganisten, ist dieses Werk schon etwas Besonderes. Der durchsichtige Plenoklang, die spezifischen Farben der Einzelstimmen und die angenehme und elegante Spielart entsprechen dem inzwischen fast legendären Ruf dieser Orgel. Doch die Einmaligkeit dieses Orgelbaukonzeptes besteht darin, dass es möglich ist, alle vier Werke durch programmierbare Schweller in ihrem Klangvolumen aufeinander abzustimmen bzw. auszubalancieren; dadurch ist der Organist nicht mehr zu Kompromissen zwischen Klangfarbe und Lautstärke gezwungen.
Der Orgelbaufirma A. Voigt, Bad Liebenwerda, gebührt für diese Meisterleistung höchstes Lob. Es war spannend und erlebnisreich zugleich, das sehr farbige Programm auf diesem Instrument Klang werden zu lassen.
Dr. Joachim Sarwas
Ich war als Organist zu Gast bei Ihnen und spielte an Ihrer 1995 fertiggestellten Epiphanien-Orgel ein Konzert. Vom ersten Tastenkontakt an habe ich mich an Ihrer Orgel wohl gefühlt. Am beeindruckendsten war die klangliche Vielfalt des dreimanualigen Instruments: Einerseits besitzt die Epiphanien-Orgel selten disponierte Aliquot-Register, wie z.B. „None 8/9“ oder „Aliquot 16/22“, die die klangliche Palette erweitern, andrerseits können Mixtur-Register sowohl als Gruppenzug wie auch deren Pfeifenreihen in Einzelzügen genutzt werden; zum klanglichen Reichtum tragen ebenfalls die sehr gut intonierten Zungenpfeifen bei. Es bereitet einfach Freude, an der Epiphanien-Orgel die Werke der Orgelliteratur klanglich zu realisieren, da dem registrierenden Interpreten diese Vielfalt an Klangkombinationen zur Verfügung stehen.
Möge das Instrument noch vielen Organisten ebenfalls Freude am Registrieren bereiten.
Uwe Gross
Anlässlich meines Konzertes in der Epiphanienkirche hatte ich Gelegenheit, die nun vollständig ausgebaute Orgel kennen zu lernen.
Auf Grund meines klanglich sehr anspruchsvoll – differenzierten Programmes stand mir in diesem Instrument ein „Partner“ zur Verfügung, der höchsten Ansprüchen genügte. Den Beitrag leistete dafür – neben dem selbstverständlichen, klassischen Aufbau der Prinzipal- und Flötenchöre – ein in sich geschlossenes und durchdachtes Aliquotenensemble, das auch außergewöhnliche Obertonkombinationen beinhaltete. Spielart der Traktur und Anordnung der Registeranlage erwiesen sich als angenehm und übersichtlich.
Man darf dankbar konstatieren, dass es der einsatzfreudigen und kenntnisreichen Initiative des Kollegen G. Matthaei gelungen ist, an dieser Stelle ein Instrument zu erstellen, das den hohen organistischen Anforderungen in Gottesdienst und Konzert gerecht wird.
Felix Hell
Sie ist schon sehr ungewöhnlich: die Orgel der Epiphanienkirche in Berlin. Auf Anhieb fällt die starke Aufspaltung der gemischten Stimmen in kleinere Komplexe und Einzelaliquoten auf, im Pedalwerk sogar vollständig durchgeführt. Auch die große Zahl ungewöhnlich hoher Aliquoten über Quint und Terz hinaus (7.,9.,11.etc. Teilton) fällt aus dem Rahmen. Dieses verbunden mit einem offensichtlich sehr kurvenreichem Mensurenverlauf der einzelnen Pfeifenreihen und der großen Zahl von Rohrwerken hat mich schon bei meinem letzten Zusammentreffen mit der Orgel im Jahre 2004 zu einem Programm ermutigt, bei welchem ich den dadurch erreichten Farbenreichtum in einer Weise nutzten konnte, den ich so nie erwartet hatte. Dass der Stil der Epiphanien-Orgel auch an die Prinzipien der norddeutschen Orgeln anknüpft, mit klarem vierteiligen Werkprinzip, verbunden mit einer vorher so nie gesehenen programmierbaren Schwellbarkeit aller vier Werke, hat die reichen konzertanten Möglichkeiten wunderbar unterstützt. Alles zusammen ein im höchsten Grade charaktervolles Instrument, welches dem konzertierenden Musiker nicht nur keine Beschränkungen auferlegt, sondern ihn sogar ermutigt, Literatur aller Epochen in sein Programm aufzunehmen. So schätze ich mich glücklich, wieder an dieses Instrument zurückkehren zu dürfen.
Felix Hell, Konzertorganist
Baltimore/USA, im April 2006
Orgelführung zum 25. Jubiläum am 20.12.2020
Das Porträt
Kantig zum Erfolg: Gottfried Matthaei und seine Orgel in der Epiphanienkirche Charlottenburg.
In: Musik und Kirche, September/ Oktober 2004, Thema: Perspektiven des Orgelbau
Das Porträt
Kantig zum Erfolg: Gottfried Matthaei und seine Orgel in der Epiphanienkirche Charlottenburg.
In: Musik und Kirche, September/ Oktober 2004, Thema: Perspektiven des Orgelbau