So viele Neuanfänge! Geleitwort zur Jahreslosung 2026

So viele Neuanfänge! Geleitwort zur Jahreslosung 2026

So viele Neuanfänge! Geleitwort zur Jahreslosung 2026

# Blickpunkt Gemeinde

So viele Neuanfänge! Geleitwort zur Jahreslosung 2026

Siehe, ich mache alles neu! (Off 21,5)

Liebe Leserin, lieber Leser!

„Siehe, ich mache alles neu!“ Ich könnte mir kaum eine Jahreslosung vorstellen, die im Augenblick besser für Epiphanien passt. Die letzten Wochen haben sich für mich zeitweise wie ein Schleudergang angefühlt. Im Juli der völlig überraschende Tod von Uwe Goetze, der Epiphanien in den letzten 10 Jahren sehr viel Stabilität und Professionalität gegeben hat. Am Ende dieses Jahres dann die GKR-Wahl, in der die Gemeindeleitung erstmalig komplett neu gewählt wird. Und parallel noch ein unter hohem Druck ablaufender Regionalisierungsprozess, für den wir Gemeinde einfach mal so in ganz neuen Konzepten denken sollen. Alles wird neu.

Diese Neuanfänge haben wir als Gemeinde nicht selbst gewählt. Sie sind uns gewissermaßen von außen als Aufgabe auferlegt worden. Das macht einen Unterschied. Erinnern Sie sich an einen Moment, an dem Sie ganz bewusst einen neuen Schritt in ihrem Leben gewagt haben. Wie war das? Ich erinnere mich, wie ich für mein Studium ans andere Ende Deutschlands zog. Das erste Mal weg von zu Hause. Ich kannte niemanden. Es war unheimlich aufregend. Und auch sehr beängstigend. Ich hatte am Anfang schreckliches Heimweh. Doch ich wollte es unbedingt. Und deshalb hielt ich durch, trotz der Herausforderungen zu Beginn. Ich hatte mich Jahrelang darauf gefreut und darauf hingearbeitet. Aufgeben kam nicht in Frage. Und bei allem Schweren war es auch toll. Ich konnte mich selbst neu erfinden an einem Ort, an dem mich vorher niemand kannte. Ich erweiterte meinen Horizont, schloss viele Freundschaften und vertiefte meine Theologie. Rückblickend gehören diese Jahre zu den prägendsten und auch schönsten meines Lebens.

Dass der Neuanfang in diesem Fall gelang, war – sicher nicht nur, aber bestimmt zu einem wesentlichen Teil – meiner Haltung darin geschuldet. Ich wollte ihn. Ich habe ihn gestaltet. Ich habe auf die Chancen geachtet, nicht auf die Probleme. Und das war schon die halbe Miete. Und ich denke, das kann uns auch mit nichtgewählten Neuanfängen gelingen. Es ist ein bisschen schwieriger, ja. Es fällt schwerer, weil der Verlust oft noch im Vordergrund steht. Weil die Versuchung, sich am Alten festzuhalten, größer ist. Aber auch hier gibt es neue Möglichkeiten, die sich auftun. Neue Freiheiten, um Dinge anders zu machen. Es gilt nur, sie in die Hand zu nehmen und sie bewusst zu gestalten. 

Bei diesem positiven Perspektivwechsel hilft mir ganz wesentlich ein Gedanke: „Siehe, ich mache alles neu.“ Die Jahreslosung ist keine Aufforderung an uns. Sie ist eine Zusage, die Jesus an uns macht. Bei allen Veränderungen ist er nicht nur der stabilisierende Faktor, der auch bei den größten Schritten ins Unbekannte treu an unserer Seite steht. Er ist auch derjenige, der selbst gestaltet und erneuert, erst recht was seine Gemeinde betrifft. Ich bin dort Mitgestalterin, ich kann meine Fähigkeiten und Kräfte einbringen, mein Bestes dazutun. Doch letztlich ist er derjenige, der alles neu macht. Und er wird es gut machen.

Mit dieser Zuversicht möchte ich mit Ihnen und euch Epiphanien in ein neues Jahr führen und ich freue mich über jeden und jede, der mich darin begleitet.

Ihre Pfarrerin Ramona Rohnstock

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