Mauern durchbrechen

Veröffentlicht am Mo., 2. Jul. 2018 15:27 Uhr
Vorworte des Gemeindebriefes

Geleitwort zum Gemeindebrief April/Mai, von Pfr. Christian Zeiske

Mauern durchbrechen

Liebe Leserin, lieber Leser!

Ist sie nicht herrlich, diese Jahreszeit? Die Tage werden länger und haben durch die Zeitumstellung gleich einen großen Schritt gemacht. Die Blätter sprießen neugierig hervor, es wird endlich wärmer. Das lässt uns das manchmal unangenehme Wetter im Winter vergessen.

Eigentlich drängt es einen, in diesen Zeiten über Ostern nachzudenken, über die Auferstehung nach– und die Auferstehung vor unserem Tod, eben dann, wenn in unserem Leben etwas, das sich schon tot anfühlte, nun wieder zum Leben kommt. Aber der Redaktionsausschuss sagte zu mir: „Schreib doch was zu Pfingsten!“  Eine viel bessere Idee.

Eine Taube durchbricht die dunkle Wand

Wir haben in unserer Kirche über dem Altarraum die große Taube, die um sich herum Gold und Silber versprüht, ein wunderbares Symbol des Heiligen Geistes. Man hört gerade zu den Knall, mit dem sie die dunkle braune Wand durchbricht. Mich erinnert das an jenes berühmte Bild auf der East-Side-Gallery, wo ein Trabbi die „Mauer“ durchbricht.

Mir fällt keine Kirche ein, in der der Heilige Geist so lebendig und groß dargestellt ist, wie in der Epiphanienkirche. Wir haben sie in dieser Ausgabe des Gemeindebriefes auf die Titelseite genommen. Zu Pfingsten kam der Heilige Geist über die Gemeinde. Wer sich in der Epiphanienkirche versammelt, hat vor Augen, dass der Heilige Geist über uns gekommen ist, dass er sprüht vor Lebendigkeit. Damals kam der Heilige Geist über die Gemeinde in Jerusalem, heute kommt er über die Gemeinde in Epiphanien. Ich kann nur wünschen, dass Sie sich immer wieder anstecken lassen von dem Kunstwerk in der Kirche und dass Sie begeistert sind vom Heiligen Geist, der Mauern durchbricht und geistreich sprüht.

Junge sollen weissagen und Alte sollen träumen

Mir ist ein Wort des Propheten Joel bedeutsam geworden, das auch dem Apostel Petrus wichtig war. Er zitierte es in seiner begeisternden Pfingstpredigt in Jerusalem: „Und es soll geschehen in den letzten Tagen, spricht Gott, da will ich ausgießen von meinem Geist auf alles Fleisch, und eure Söhne und Eure Töchter sollen weissagen und eure Jünglinge sollen Gesichte sehen, und eure Alten sollen Träume haben“ (Apostelgeschichte 2, 17).       Zum Einen werden alle, die neben der männlichen Form immer unbedingt auch die weibliche haben wollen, hier begeistert sein: In dieser antiken, patriarchalen Schrift heißt es ausdrücklich: „...eure Söhne und Töchter...“. Aber das andere ist viel schöner und schließt einem das Herz auf: Junge Menschen werden weissagen und alte wer  den Träume haben. Nicht umgekehrt, dass die Jugend von irgendwas träumt und die Alten eben Weisheit angesammelt haben. Nein, gerade anders herum: Junge werden Ratschläge geben können und Weises zu sagen haben,– und die Alten werden träumen können, träumen von der Zukunft. Finden Sie diese Umkehrung nicht auch ans Herz gehend?

Dieser Vers des Propheten Joel soll ein Gruß von mir an Sie alle sein, verbunden mit sehr großem Dank für all das Schöne, was ich in Epiphanien erleben durfte und für all die innigen und heiteren Begegnungen. Auch wenn unsere Wege nun wieder unterschiedlich werden, wir bleiben doch alle miteinander inspiriert vom Heiligen Geist.

Sehr liebe Grüße an Sie alle,

Ihr Pfarrer Christian Zeiske

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